Reisensburg 1996: Abstract E. Schuster
Statistical Computing '96 - Schloß Reisensburg

Multiple Cox-Regressionen bei rheumatoider Arthritis

Ernst Schuster

Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie, Universität Leipzig

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine monozentrische, kontrollierte, prospektive Beobachtungsstudie des Verlaufs von 106 Patienten mit chronischer Polyarthritis in einem frühen Stadium mit definierten Einschlußkriterien.

Ziel dieser Studie ist, bei diesen Patienten prognostische Faktoren im Sinne von Risikofaktoren auszumachen, die es gestatten könnten, Patienten mit wahrscheinlich rasch progredienten Verläufen von solchen mit langsamen (oder gar nicht) progredienten Verlaufsformen bereits zu einem frühen Zeitpunkt zu unterscheiden.

Dafür erschien es naheliegend, an biometrische Modelle vom Typ der proportionalen Hazard-Modelle zu denken. Als "harte" Zielgröße vom Typ einer Überlebenszeit werden erste manifeste Röntgenveränderungen (mindestens eine Erosion > 1 mm) benutzt. Damit wird die frühe Phase der Rheumatoiden Arthritis (RA) beschrieben. Zur Beschreibung des Fortschreitens der RA wurden auch mindestens 2 und mindestens 4 Erosionen als Zielgrößen benutzt.

Da einige der gemessenen Merkmale hoch korreliert sind, wurde die Kovarianzstruktur aller Merkmale zu Studienbeginn mit Latente-Variablen-Modellen untersucht. Damit konnten gute Repräsentanten für alle wesentlichen biologischen Prozesse gefunden werden, die als Kovariablen in Cox-Regressionen eingingen.

Darüber hinaus wurde die Stabilität der Kovariablen mit Methoden der longitudinalen Datenanalyse untersucht. Merkmale, die im zeitlichen Verlauf stark schwanken, sind als Kovariable nicht geeignet, weil der beobachtete Anfangswert dann sehr zufällig ist. Deshalb wird die zeitliche Korrelation der Kovariablen unter Verwendung von Variogrammen untersucht. Für prognostische Faktoren in Cox-Modellen sollte der Anteil der interindividuellen Effekte (random intercept) groß sein, damit hohe Werte am Anfang auch hohen Werten im Verlauf entsprechen.

Es wurden multiple Cox-Regressionen mit den gewählten Kovariablen gerechnet. Für die Zielgröße "1 Erosion" hat einzig das Vorhandensein eines krankheitsassoziierten Allels der HLA-DR4 Beta-Kette (Epitop) einen signifikanten Beitrag zur Risikoerhöhung. Das relative Risiko, das Ereignis "1 Erosion" zu bekommen, ist bei Vorliegen eines HLA-DR4-Epitops ca. 6,5-mal höher als ohne Epitop. Im Vergleich zu den Patienten ohne Epitop DR4 steigt das Risiko für Patienten mit Epitop DR4, das Ereignis "2 Erosionen" zu bekommen, auf das 2,7-fache an. Das Risiko für Patienten mit Epitop DR1, "2 Erosionen" zu bekommen, steigt auf das 2,6-fache an. Für Patienten mit einem erhöhten Rheumafaktor IgM wächst das Risiko auf das 2,9-fache an. Das Risiko für Patienten mit erhöhtem Rheumafaktor IgM (> 20 U/ml), "4 Erosionen" zu bekommen, steigt auf das 2,6-fache an.

Für eine Prognose des Verlaufs sind die Werte der Kovariablen zu Studienbeginn vom Interesse. Für die Beschreibung des Verlaufs wurden aber auch Cox-Regressionen mit zeitabhängigen Kovariablen verwendet.

Der Beitrag konzentriert sich auf die frühe Phase der RA, deshalb wird auf die Untersuchung des weiteren Verlaufs der RA, die mit Methoden der longitudinalen Datenanalyse erfolgt, höchstens kurz eingegangen.

Literatur:

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