Statistical Computing '99 - Schloß Reisensburg

Die Cochrane Database als Informationsquelle in medizinischen Fragestellungen

Guido Schwarzer, Gerd Antes
Deutsches Cochrane Zentrum
Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik
Stefan-Meier-Strasse 26
D-79104 Freiburg

Der Übergang zur vielzitierten Wissens- und Informationsgesellschaft hat auch auf die Medizin massive Auswirkungen. Für die Wissensakkumulation und den -transfer nehmen medizinische Zeitschriften eine zentrale Rolle ein. Die traditionellen Mechanismen werden jedoch zunehmend mehr bedroht durch die exponentiell anwachsende Informationsmenge und die immer kürzer werden Erneuerungszeiten des Wissens.
Der Übergang auf elektronische Publikationswege scheint die Lösungen für die zunehmende Informationskrise anzubieten. Für die Suche in und nach medizinischen Zeitschriften sind Literaturdatenbanken essentiell. Dabei hat sich Medline (National Library of Medicine, USA) als Quasi-Standard herauskristallisiert, unter anderem wegen der weiten Verbreitung und des kostenlosen Zugangs über das Internet. Literatursuche und die Benutzung von Medline wird oft als äquivalent angesehen. Übersehen wird dabei, daß andere Datenbanken wie z. B. Embase (Elsevier) für manche Zwecke mehr Information enthalten, nichtenglische Sprachräume besser abdecken und auch schneller neue Publikation aufnehmen.
Neben der Auswahl der geeigneten Datenbanken ist die Kompetenz bei der Suche ein weiterer für den Sucherfolg wesentlicher Faktor. Auch innerhalb Medline wird mit einer naiven Suche, wie sie aufgrund des freien Zugangs immer verbreiteter wird, oftmals relevante Literatur übersehen.
Für einen effizienten Transfer von Forschungsergebnissen in die medizinische Praxis ist das Verständnis der Publikationsmechanismen notwendig, um die in den einzelnen Stadien des Weges von der Forschung bis hin zur Nutzung lauernden Verfälschungen (Bias) zu minimieren. Für den Nutzer medizinischer Information sind Kriterien für die Einschätzung der Validität wichtig. Wesentliche Voraussetzung für die Validität ist, dass in den einzelnen Schritten der Wissensproduktion systematisch und transparent vorgegangen wird, weil nur so eine möglichst wenig verfälschte, den Stand des Wissens repräsentierende Bewertung von diagnostischen und therapeutischen Verfahren möglich ist.
Das Hauptziel der Cochrane Collaboration ist die Erstellung, Aktualisierung und Verbreitung systematischer Übersichtsarbeiten. Durch eine systematische, transparente Vorgehensweise wird versucht, den durch die genannten Probleme bei der Erstellung von Reviews auftretenden Bias zu minimieren. Die Cochrane Database als Produkt dieser weltweiten Bemühungen ist heute als eine der wesentlichen Informationsquellen in medizinischen Fragestellungen anzusehen.


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