Statistical Computing '99 - Schloß Reisensburg

Ein Dienstleistungsangebot für den Fernzugriff auf zentral geführte Datenbanken für das Datenmanagement multizentrischer klinischer Studien

Peter Wübbelt und Hartmut Hecker
(Peter.Wuebbelt@ifm.mh-hannover.de)
Institut für Biometrie der Medizinischen Hochschule Hannover

Die Betreuung (multizentrischer) klinischer Studien ist eine zentrale Aufgabe eines biometrischen Instituts. Sie ist auch in den Regeln der ''Good Clinical Practice'' (GCP) festgelegt wonach in klinischen Studien die Mitarbeit eines erfahrenen Statistikers notwendig ist. Um sowohl dem für die Studie verantwortlichen Statistiker für seine End- oder auch Interimsauswertungen einen möglichst validen Datensatz zur Verfügung zu stellen, als auch dem verantwortlichen Studienarzt und dem Dokumentationspersonal qualifizierte Hilfe bei der EDV-Unterstützung der Studie bieten zu können, wurde am Institut für Biometrie der MHH ein zentrales Konzept erprobt, das dezentral genutzt werden kann. Zentraler Kernpunkt ist ein am Institut geführter ORACLE-Datenbankserver. In enger Absprache mit den an der Studie beteiligten Personen (Studienarzt, Statistiker, Programmierer) werden die Datenbanktabellen festgelegt und die Eingabemasken zur Datenerfassung und gegebenenfalls notwendigen Randomisierungstools erstellt. In einer Anfangsphase wurde auf Web-Technologien wie HTML, HTTPS und Javascript zurückgegriffen, um den Remote-Zugriff auf die Datenbestände zu ermöglichen (siehe [1] und [2]). Mittlerweilen bietet die ORACLE-Produktpalette für die in klinischen Studien gegebene Situation eine befriedigendere Lösung, die ein weitergehendes Dienstleistungsangebot ermöglicht (siehe auch [3]). Durch Verwendung des FORMS-Maskengenerators können in kurzer Zeit hochkomfortable Dateneingabemasken erstellt werden, die in Verbindung mit den Produkten GRAPHICS und REPORT zu einem Studienmanagementsystem zur Terminverwaltung und Fehlerkontrolle erweitert werden können. Die erstellten Eingabemasken können entweder nach einer Client-Installation in den beteiligten Kliniken genutzt werden, oder stehen ohne weiteren Programmieraufwand auch als Applets zur Verfügung. ORACLE LITE ermöglicht darüber hinaus die Installation einer lokalen (Mini)Datenbank, die sich mit der zentralen (Master)Datenbank replizieren kann, wodurch eine offline-Bearbeitung der Daten mit leichter Übergabemöglichkeit an die zentrale Stelle ermöglicht wird. Durch eine horizontale Aufspaltung der Tabellen werden der beteiligten Klinik dabei nur für die jeweilige Klinik relevante Daten repliziert.
Der Einsatz von ``Remote Data Entry''-Systemen ermöglicht eine Verkürzung der Verfügbarkeit des Response (z.B. Tumoransprechen auf Chemotherapie) für das Monitoring der Studie. Insbesondere ergibt sich eine optimale Situation für den Einsatz von Sequentialverfahren, da der Response ohne weitere zeitliche Verzögerung zur Überprüfung des Abbruchkriteriums zur Verfügung steht. Zur Ausnutzung dieser Vorteile wurden von uns die Dreieckspläne nach Whitehead [4] in der Programmiersprache Java implementiert.
Das vorgestellte Konzept konnte im Rahmen einer onkologischen Studie erprobt werden, wo es von der Rostocker Studienzentrale zur Randomisierung und Dateneingabe von über 100 beteiligten Studienärzte genutzt wird. In einer mikrobiologischen Beobachtungsstudie wird das System von 6 beteiligten Kliniken zur angestrebten Erfassung von 520 Patienten genutzt.

Literatur:

[1] P. Wübbelt, C. Eikemeier, H. Hecker: Einsatz von Internet-Diensten und -Werkzeugen zur Unterstützung der Dateneingabe und des Monitorings multizentrischer klinischer Studien. In: Muche, R. (Hrsg.): Jahrestagung der GMDS, Ulm, 1997. München: MMV Medizin 1997
[2] C. Eikemeier, P. Wübbelt, H. Hecker: Verwendung moderner Internet-Technologie für das Design und die Durchführung internationaler, multizentrischer klinischer Studien. In: Greiser, E. Wischnewsky M. (Hrsg.): Jahrestagung der GMDS, Bremen, 1998. München: MMV Medizin 1998.
[3] P. Wübbelt, H. Hecker: Ein Dienstleistungsangebot für den Fernzugriff auf zentral geführte Datenbanken für das Datenmanagement multizentrischer klinischer Studien. In: Handels H. (Hrsg.): Workshop Telemedizin, Shaker, Aachen, 1999.\ (siehe auch: http://www.mh-hannover.de/institut/biometrie/Projekte/Webprojekt/)
[4] J. Whitehead: The Design and Analysis of Sequential Clinical Trials Horwood, Chichester, 1992.


31. Statistical Computing '99